Die heutige Debatte im Bundestag zur Zukunft der Hebammen brachte immer noch keine neuen Erkenntnisse, resümierte das Aktionsbündnis „Sichert die Hebammenarbeit“ ernüchtert.  „Alle Redner sind nicht vollumfänglich informiert“ konstatiert Anja Vallée vom Geburtshaus Maja in Prenzlauer Berg. Das Aktionsbündnis bietet den Fachpolitikern gerne klärende Hintergrundgespräche an.

Scharfe Kritik richtet die Initiative Berliner und Brandenburger Hebammen und Mütter an Bundestagsabgeordnete die die Geburtshelfer*innen unsachlich angriffen.  So bezeichnete der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) den Aufschrei der Hebammen „als Populismus“ und für Roy Kühne (CDU) ist die aktuelle Petition „gefühlsduselig“. „Wir verbitten uns derartig unflätige Angriffe auf unseren Berufstand, der sich aus der Not heraus an die Öffentlichkeit wenden musste, da die Politik nicht handelt“, kritisierte die Köpenicker Hebamme Marion Kublick die Äußerungen.

„Die Bundesregierung bearbeitet das Problem seit mehr als vier Jahren ohne eine tragfähige Lösung auch nur im Ansatz erkennen zu lassen“, kritisiert die Sprecherin des Aktionsbündnisses Sabine Niels aus Fürstenwalde. „Mütter sind keine Patienten, wie es in der Debatte behauptet wurde“, stellte Hebamme Marion Kublick aus Berlin Köpenick klar.  Zudem sei völlig schleierhaft wieso Lauterbach (SPD) behauptet dass eine Qualitätsstudie zur Arbeit der Hebammen als Entscheidungsgrundlage dringend nötig sei,  denn dazu gibt es bereits genügend Belege. Die Pilotstudie des GKV-Spitzenverbandes, jährliche Berichte der Gesellschaft für außerklinische Geburtshilfe – beide belegen eine sehr gute Qualität, so Kublick.

Die Geschäftsführerin des Geburtshauses Charlottenburg Christine Bruhn kritisierte auf das Schärfste die Ausführungen der SPD-Abgeordneten Bettina Müller (SPD) die keine Gefährdung der Geburtshilfe sieht. „Bei dem hohen Anteil von Beleggeburten durch freiberufliche Hebammen und dem im Vergleich zu klinischen Geburten um ein Drittel niedrigeren Kaiserschnittraten bei gleicher Risikogruppe sind die Geburtshilfe und die Qualität der Geburtshilfe sehr wohl in Gefahr.“ Zudem wurde zu unrecht aus dem bisherigen Anteil  außerklinischer Geburten eine geringe Bedeutung der Hausgeburten und Entbindungen in Geburtshäusern geschlussfilgert Schon jetzt haben Familien keine Wahlmöglichkeit. "Wir müssen hier in Berlin jährlich etwa jeder 3. Frau die im Geburtshaus gebären will absagen! Zementiert man diesen Zustand – so verabschiedet man sich vom Recht auf die freie Wahl des Geburtsortes, wie es im Sozialgesetzbuch  verankert ist“,  sagte Bruhn.

Auch wiesen die Hebammen die Ansage des CSU-Abgeordneten Erich Irlstorfer zurück, wonach Hausgeburten „gefährlicher“ als Klinikgeburten seien.  Die Weltgesundheitsorganisation WHO sagt, dass Hausgeburten genauso sicher sind, insbesondere durch die individuelle Betreuung der Mütter, so Kublick. Fakt ist auch, dass in Berlin über 40 Prozent der Mütter die eine Wochenbettbetreuung wünschen - abgelehnt werden müssen, da keine Kapazitäten mehr frei sind, berichtet Kublick.

Eine am Mittwoch zur Mitzeichnung freigegeben Petition im Deutschen Bundestag zur „Sicherstellung der flächendeckenden, wohnortnahen Versorgung mit Hebammenhilfe“ erreichte aus dem Stand über 27.000 Unterzeichner.  „Der Start ist ein noch nie dagewesener Paukenschlag. Das Thema brennt der Bevölkerung auf den Nägeln, mehr als die zuständigen Bundespolitiker wahrhaben wollen“, sagte Sabine Niels.  Die Brandenburger Landtagsabgeordnete  mahnte die Bundesregierung an,  einen Lösungsvorschlag bis zum Sommer 2014 vorzulegen um Geburtshäusern und freien Hebammen in Deutschland endlich Planungssicherheit zu geben.

 

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Weitere Erwiderung und Kommentare des Aktionsbündnisses zur Bundestagsdebatte
http://www.hebammenarbeit-sichern.de/images/Bundestagsdebatte_Kommentare.pdf

Download Antrag im Bundestag
http://dip.bundestag.de/btd/18/008/1800850.pdf

Link Bundestagspetition
https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2014/_03/_12/Petition_50667.nc.html

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2GRIMREAPER3 RT @europeu_odeio: Nicht vergessen das Ärtzen, Hebammen, Pädagogen usw. die Menschen freiwillig gemeldet haben und sich über die Prämien ge…
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mediccomm RT @Matth_Borowski: Ein besonders abscheuliches Kapitel der deutschen Geschichte: Am 18. August 1939 fordern die Nazis Hebammen, Geburtshel…
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