Der Petitionsausschuss des Bundestages befasste sich am Vormittag mit der Situation der Geburtshilfe in Deutschland. Die Geburtshelferin Sabine Schmuck fordert stellvertretend für ihre Berufsgenossinnen in einer Petition die Sicherung der Hebammenarbeit. Kritisiert werden vor allem die steigenden Haftpflichtprämien und die Beendigung des Versicherungsschutzes. So will ab Sommer 2016 auch der letzte verbleibende Versicherer sein Angebot einstellen. Die Petition haben über 52.000 Menschen unterschrieben.

„Es ist ein Skandal, dass Deutschland auf das Niveau von Entwicklungsländern zurückzufallen droht, weil die Politik nicht handelt“, sagte die Petentin Sabine Schmuck im Ausschuss.  „Derzeit besteht die Gefahr, dass es Mitte 2016 keine funktionsfähige Berufshaftpflicht für Hebammen mehr gibt“, sagt Christine Bruhn, Geschäftsführerin des Geburtshauses in Berlin Charlottenburg am Rande der Sitzung: „Da Hebammen nicht ohne Haftpflicht arbeiten dürfen, kommt dies einem Berufsverbot gleich“.

Scharfe Kritik übte das Aktionsbündnis „ Sicherung der Hebammenarbeit“ am Gesundheitsministerium. Dessen parlamentarische Staatssekretärin Fischbach argumentierte im Ausschuss mit veralteten Zahlen von 2010 zur Versorgungssicherheit mit Hebammen in Deutschland. „Es ist ein Unding, dass für so eine zentrale Frage wie die Versorgungssicherheit  mit Hebammenhilfe keine aktuellen Zahlen vorliegen“, kritisierte Bruhn die Staatssekretärin: „Wenn die Bundesregierung Qualität einfordert, muss sie erstmal genau definieren, was das für sie bedeutet“. Das Beste für eine werdende Mutter und ihr Kind ist eine persönliche eins-zu-eins Betreuung, so Bruhn. Auch müsse eine Erreichbarkeit von etwa 30 Minuten bis zur nächsten Hebamme sichergestellt werden.  „Wir haben schon heute erhebliche Nachwuchsprobleme und immer weniger berufserfahrene Hebammen. Das kostbare Wissen um die normale Geburt droht verloren zu gehen“, mahnt Bruhn.

Als „inkonsequent“ bezeichnete Bruhn die Ablehnung eines immer wieder geforderten staatlichen Haftungsfonds für Gesundheitsberufe, der der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung für die Sicherung von Geburten am besten gerecht würde. Deren Einrichtung sei  „zu bürokratisch“, erklärte Fischbach im Ausschuss obwohl solch ein Fond in anderen Ländern bestens funktioniere. So müssten die Hebammen in Österreich beispielweise nur etwa 100 Euro einzahlen. In Gegensatz zu Deutschland, wo die Versicherung ab dem 1. Juli 2014 auf über 5000 Euro ansteigt, so Bruhn: „Alle bislang von der Regierung vorgelegten Vorschläge beinhalten noch keine langfristige Lösung“.

Unterstützung erhalten die Hebammen von Bündnis 90/ Die Grünen. So waren die Brandenburger Landtagsabgeordnete Sabine Niels und die Vizepräsidentin des Landtags Mecklenburg-Vorpommern, Silke Gajek anwesend.  „Schwangere Frauen sind keine Patientinnen. Die Wahlfreiheit für die Geburt ist ein Grundsatz der Familienpolitik in unserem Land“, sagte Gajek.  „Eine tragfähige und vor allem langfristige Lösung muss bis Ende 2014 von Bundesgesundheitsminister Gröhe  gefunden werden“, mahnt Niels zur Eile.  Ein mögliches Ende der Hebammenarbeit im Sommer 2016 bedeutet, dass Geburtshäuser, Hebammenpraxen und andere hebammengeleitete Einrichtungen aufgrund der laufenden Verträge vielfach schon mit Beginn dieses Sommers, also in wenigen Monaten, mit der Abwicklung ihrer Betriebe beginnen müssten, so Niels.

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Frisobotter @drluebbers Gerade mit Säuglingen kann man sich vor dem Mist nicht retten. Hebammen scheinen besonders anfällig für… https://t.co/d1aijcexgl
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robertbilleb RT @DieMeZi: Arbeitskollege, frisch gebackener Vater. Hebamme erklärt ihm, es gäbe Alternativen zur Impfung. Er ist Krankenpfleger und hat…
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