Eine Initiative von Berliner und Brandenburger Hebammen und Mütter

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Im Moment besteht die Gefahr, dass es ab Juli 2016 keine funktionsfähige Berufshaftpflicht für Hebammen mehr gibt – und Hebammen dürfen nicht ohne Berufshaftpflicht arbeiten! Dieses Problem trifft alle Hebammen – egal ob sie freiberuflich oder angestellt ar­beiten, ob sie außerklinische Geburten betreuen, als Beleghebamme arbeiten, oder Geburtsvorbereitung anbieten, Wochenbetten betreuen, Stillberatung leisten oder die Rückbildung anleiten.

Und vor allem: es trifft alle schwangeren Frauen, alle Gebärenden, alle Familien mit Neugeborenen. An Lösungsvorschlägen wird auf fach- und verbandspolitischer Ebene bereits inten­siv gearbeitet und auch in der Öffentlichkeit, auf sozialen Plattformen regt sich viel Widerstand. Das ist gut – und trotzdem – befürchten wir - nicht ausreichend! Denn: Damit die Versorgung der Frauen und Familien mit Hebammenhilfe sicher gestellt werden kann muss eine schnelle Lösung her!!

Ein Großteil der außerklinischen Geburten, aber auch die Geburtsvorbereitung, Wochenbettbetreuung und Nachsorge, die Beratung und Begleitung von Schwange­ren findet über Geburtshäuser oder hebammengeleitete Einrichtungen statt – und diese Arbeit geschieht im Rahmen vertraglicher Regelungen. Dies betrifft sowohl Mietverträge, als auch Raumnutzungsverträge mit Hebammen, die Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse leiten, und natürlich auch Behandlungsverträge mit den schwangeren Frauen. Ein mögliches Ende der Hebammenarbeit im Sommer 2016 bedeutet, dass Geburtshäuser, Hebammenpraxen und andere hebammengeleitete Einrichtungen aufgrund der laufenden Verträge vielfach schon mit Beginn dieses Sommers, also in wenigen Monaten, mit der Abwicklung ihrer Betriebe beginnen müssten. Wenn ein Geburtshaus im Sommer 2016 schließen muss, kann ab Herbst 2015 keine schwangere Frau mehr angenommen werden, müssen je nach Vertragsabsprachen möglicherweise schon in wenigen Monaten die Verträge für Kursleiterinnen, Stillberaterinnen ....gekündigt werden. Und die Betreuung von Wochenbetten – schon jetzt ein enormer Engpass – würde unmöglich!

Wir brauchen klare Perspektiven bis Ende 2015 und eine Lösung, mit der die kostbare Hebammenarbeit LANGFRISTIG gesichert ist!

 

 

Bundestag

Berlin 31. März: Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort (18/900) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke schreibt, ziehen sich wegen der hohen Kosten für die Berufshaftpflicht  derzeit viele freiberufliche Hebammen aus der Geburtshilfe zurück. Wie die Regierung unter Berufung auf den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in ihrer Antwort schreibt, waren in den Jahren 2006 bis 2011 durchschnittlich etwa 100 Personenschäden pro Jahr zu verzeichnen. Die Zahl der sogenannten Personengroßschäden über 100.000 Euro pro Jahr liege im Schnitt bei zwölf. Nach Angaben des GDV betrage der mittlere Schadenaufwand bei Personengroßschäden in der Geburtshilfe 2,6 Millionen Euro, wobei 90 Prozent des Gesamtschadenaufwands auf Großschäden entfielen.

Berlin 20. März: Angesichts der ausufernden Versicherungskosten für freiberufliche Hebammen in der Geburtshilfe fordert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen von der Bundesregierung ein sofortiges Hilfspaket. Die Haftpflichtprämien seien für Hebammen wie auch Gynäkologen in den vergangenen Jahren exorbitant gestiegen, schreiben die Abgeordneten in einem Antrag (18/850), der 20. März im Plenum des Bundestages beraten werden soll und verlangen Lösungen, die kurzfristig, mittelfristig und langfristig greifen. Der Antrag wurde in die zustänigen Ausschüsse überwiesen. Die Bewertung der Debatte vom Aktionsbündnis HIER

Berlin 19. März: Die Fraktion Die Linke fordert Informationen über die wirtschaftliche Lage von Hebammen und Entbindungspflegern. In einer Kleinen Anfrage (18/738) will sie unter anderem wissen, welche Kosten den Krankenkassen durchschnittlich pro Entbindung in einer Klinik, in einer Einrichtung der außerklinischen Geburtshilfe und bei Hausgeburten entstehen. Zudem will sie erfahren, wie viele freiberufliche Hebammen und Entbindungspfleger aktuell tätig sind und wie sich ihre Zahl in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat.

Deutschland 12. März: Bundestagspetition "Sicherstellung der flächendeckenden, wohnortnahen Versorgung mit Hebammenhilfe" eingereicht: Mizeichnungsfrist vom 19. März bis 19. April 2014. Ab 50.000 Unterzeichner muss sich der Bundestag damit befassen Zur Petition

Bundesregierung

20. März: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat angekündigt, im April 2014 den Abschlussbericht einer interministeriellen Arbeitsgruppe vorzulegen, die sich mit den gestiegenen Haftpflichtversicherungsprämien von freiberuflich tätigen Hebammen befasst. weiter 

Landtag Brandenburg

Potsdam 3. April: Debatte im Brandenburger Landtag zum Antrag der CDU-Fraktion zum "Einsatz von Familienhabammen gewährleisten"
Die Landesregierung wird aufgefordert:
1. gemeinsam mit den Kreisen und dem Hebammenverband Brandenburg e.V. fachliche Standards für den landesweiten Einsatz der Familienhebammen zu erarbeiten.
2. zu prüfen, wie die Leistungen, die eine Familienhebamme erbringt, mit bereits bestehenden Hilfsangeboten effizienter verzahnt und finanziert werden können. In diesem Zusammenhang sind auch Mischfinanzierungen zu prüfen.
Download Antrag

Institutionen

Bundesrat

Der Bundesrat bittet die Bundesregierung:
1.Zu prüfen, inwieweit der Spitzenverband Bund der Krankenkassen nach §134a SGBV bei der Berücksichtigung der wirtschaftlichen Interessen der frei beruflich tätigen Hebammen die Kostensteigerungen, die die Berufsausübung betreffen, beachtet hat.
2. Auf den Spitzenverband Bund der Krankenkassen dahingehend einzuwirken, das kurzfristig eine angemessene Vergütung der Tätigkeit der freiberuflich tätigen Hebammen in der Geburtshilfe erreicht und damit die Versorgung flächendeckend gesichert wird.
Antrag der Länder Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Brandenburg, Berlin, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen vom 14.03.2014 Download pdf

Bundesregierung - Koalitionsvertrag

Die Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung mit Geburtshilfe ist uns wichtig. Wir werden daher die Situation der Geburtshilfe und der Hebammen beobachten und für eine angemessene Vergütung sorgen.
Download pdf

Parteien

CDU/CSU

Den Kern unseres freiheitlichen Gesundheitswesens bilden die freie Arzt- und Krankenhauswahl, die Therapiefreiheit und die Unabhängigkeit der freien Gesundheitsberufe. Die Beschäftigten in den Kliniken, Praxen und ambulanten Diensten, niedergelassene freiberuflich tätige Haus-, Fach- und Zahnärzte, Apotheker, selbstständige Gesundheitshandwerker, Hebammen und Heilmittelerbringer stehen für eine qualitativ hochwertige, patientennahe Versorgung. Dieses Versorgungsniveau wollen wir bewahren und fortentwickeln, um die hohe Qualität in Deutschland zu erhalten.
Download pdf (Bundestagswahlprogramm 2013: Attraktivität der Gesundheitsberufe steigern; Seite 49)

Der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist es ein Anliegen, dass Mütter auch weiterhin die Wahl zwischen Geburten zu Hause oder im Krankenhaus haben. Dafür ist der Berufsstand der Hebammen essentielle Voraussetzung. Auf Grundlage des Gutachtens wird die Union gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsminister alles daran setzen, die freiberuflichen Hebammen zu unterstützen. Wir fordern den GKV-Spitzenverband eindringlich auf, die freiberuflichen Hebammen bei künftigen Gehaltsverhandlungen mit den Hebammenverbänden deutlich besser zu stellen. Unabdingbar sind aber auch bessere und bezahlbare Versicherungsbedingungen. Wir brauchen eine flächendeckende und wohnortnahe Versorgung für werdende Eltern – auch im ländlichen Raum.“
Presse-Erklärung 04.05.2012

SPD

Wir wollen Rahmenbedingungen schaffen, damit das Haftungsrisiko im ärztlichen und nicht-ärztlichen Gesundheitsbereich von mehreren Schultern getragen wird. Aus finanziellen Gründen geben viele Hebammen auf. Geburtshäuser und Geburtsstationen in einzelnen Krankenhäusern schließen. Die schwangeren Frauen verlieren damit ihr Recht auf freie Selbstbestimmung des Geburtsortes. Zudem müssen sie vor allem in ländlichen Regionen oft viele Kilometer zurücklegen, um zum nächsten Krankenhaus mit Geburtsstation zu gelangen.
Presse-Erklärung 12.03.2014

Bündnis 90/ Die Grünen

Hebammen leisten wertvolle und unersetzliche Arbeit für Schwangere, Mütter und Neugeborene. Darum liegt uns eine dauerhafte Lösung der Haftpflichtproblematik sehr am Herzen. Wir haben uns des Themas angenommen und werden es weiterverfolgen. Die Idee, die Regelungsprinzipien der Unfallversicherung auf eine Berufshaftpflichtversicherung für alle medizinischen Berufe zu übertragen, ist vorrangig zu prüfen. Das lehnt die Bundesregierung jedoch ab.
Presse-Erklärung 17.02.2014

Die LINKE

Die flächendeckende Versorgung mit Hebammenleistungen ist längst nicht mehr gewährleistet. In immer mehr Gebieten wird Frauen eine Alternative zur Klinikgeburt – zu Hause oder in Geburtshäusern – gar nicht mehr geboten. Freiberufliche Hebammen können die verpflichtende Haftpflichtversicherung nicht mehr bezahlen. Die Prämien sind explodiert, der Markt ist zusammengebrochen. Die Absicherung der Geburtsrisiken von Mutter und Kind ist durch einen privaten Versicherungsmarkt nicht zu gewährleisten. Nur ein staatlicher Haftungsfonds schützt die Hebammen vor den Versicherungen.
Presse-Erklärung 24.02.2014

  • Die Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe Quag e.V. veröffentlicht jährliche Quali-tätsberichte über die außerklinischen Geburten in Deutschland und belegt seit Bestehen (über 20 Jahre) die hohe Sicherheit und Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe. Die Empfehlungen des WHO und des Deutschen Hebammenverbandes sind ebenfalls dort zu finden:
    http://www.quag.de
  • 16 WHO-Empfehlungen unter dem Motto: Geburt ist keine Krankheit – Eine Geburt erfordert umfassende Betreuung, dazu gehören neben medizin. Vorsorgen soziale, emotionael und psychische Faktoren entscheidend dazu. Es gibt keine Rechtfertigung für Kaiserschnittraten über 10-15%. 90% der medizinischen Routineinterventionen in der Geburtshilfe sind wissenschaftlich nicht abgesichert (z.B. routinemäßige elektronische Dauerüberwachung der kindlichen Herztöne/CTG). 70-80% aller Geburten verlaufen normal, d.h. benötigen keine medizinischen Interventionen.
    http://www.quag.de/quag/empfehlungen.htm
  • Empfehlungen des Deutschen Hebammenverbands: Das Wohl von Frauen und Kindern in Schwangerschaft und Geburtshilfe wird gefährdet durch ein hohes Maß an Medikalisierung und Technisierung. Bessere Geburtsergebnisse durch kontinuierliche vorgeburtliche Betreuung und Begleitung der Geburt, nicht durch mehr Intervention und Technik.
    http://www.quag.de/quag/dhv.htm
  • Deutscher Hebammenverband: Hintergründe zum zusammenbrechenden Versicherungsmarkt für Hebammen-Haftpflichtversicherung.
    http://www.hebammenverband.de/aktuell/pressemitteilungen/pressemitteilung-detail/datum/2014/02/13/artikel/versicherungsmarkt-fuer-hebammen-bricht-zusammen-berufsstand-bedroht-hebammenverbaende-fordern-g/
  • Der GKV-Spitzenverband hat eine 5-Jahres-Studie in Auftrag gegeben. Ergebnis im Vergleich zu Geburten im Krankenhaus: außerklinische Geburten schneiden sehr gut ab. Es müssen weniger Medikamente eingesetzt werden, Kinder und Mütter müssen weniger häufig nachbehandelt werden, es gibt weniger Geburtsverletzungen, der allgemeine Gesundheitszustand der Neugeborenen ist genauso gut.
    http://www.gkv-spitzenverband.de/presse/pressemitteilungen_und_statements/pressemitteilung_2019.jsp

Twittermeldungen

FlohEinstein @wyss_martin Auf der anderen Seite verdienen (fast) alle gleich wenig (Beispiel: Hebammen https://t.co/4bsoLRXwDG )… https://t.co/UFk8Q53JQI
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Frisobotter @drluebbers Gerade mit Säuglingen kann man sich vor dem Mist nicht retten. Hebammen scheinen besonders anfällig für… https://t.co/d1aijcexgl
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robertbilleb RT @DieMeZi: Arbeitskollege, frisch gebackener Vater. Hebamme erklärt ihm, es gäbe Alternativen zur Impfung. Er ist Krankenpfleger und hat…
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